Freier Therapieplatz in Nürnberg …

… schwer zu finden

Bundesweit warten Patienten mit psychischen Erkrankungen durchschnittlich dreieinhalb Monate auf ein Erstgespräch bei einem psychologischen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Bis zum Beginn der eigentlichen Psychotherapie verstreichen im Schnitt fast weitere drei Monate. Insgesamt müssen Patienten in Deutschland in der Regel also über ein halbes Jahr auf einen freien Therapieplatz warten.

Zu diesem Ergebnis kommt eine 2011 von den Landespsychotherapeutenkammern und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Auftrag gegebene Studie zu Wartezeiten in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. Besonders rar ist das Therapieplatzangebot in den neuen Bundesländern und im Ruhrgebiet. Auch in den ländlichen Regionen kommen mehr Patienten auf einen freien Therapieplatz als in den Ballungszentren der Großstädte.

Für Psychotherapie in Nürnberg ist die Lage wie in ganz Bayern etwas besser. Bayernweit liegt die Wartezeit auf einen freien Therapieplatz bei rund neun Wochen.

Der mangelnden Versorgungssituation steht eine wachsende Zahl an Menschen mit psychischen Erkrankungen gegenüber. Laut einem Bericht der Frankfurther Rundschau im April 2012 ist die Zahl der Beschäftigten, die sich aufgrund psychischer Probleme krank melden, in den vergangenen zehn Jahren um fast das doppelte gestiegen.

Lange Wartezeiten verschärfen die Probleme

Die langen Wartezeiten bedeuten eine erhebliche Belastung für Menschen mit psychischen Erkrankungen, da die Aussicht einer Verschlimmerung der Symptome mit jedem Tag steigt. Zudem verlängert sich die Therapiedauer oder die die Erkrankung wird sogar chronisch, wenn die Patienten nicht eine rechtzeitige Behandlung erfahren. Mit zunehmender Wartezeit steigt auch die Anzahl der Menschen, die eine Therapie erst gar nicht mehr anfangen.

Alternativen zur ambulanten Psychotherapie beim Kassenpsychotherapeuten

Wenn der seelische Druck zu hoch ist, um auf einen freien Therapieplatz bei einem kassenärztlichen Psychotherapeuten zu warten, stehen Patienten verschiedene Alternativen zur Auswahl:
Zum Beispiel können sie sich vom Hausarzt in eine Klinik mit psychiatrischer oder psychotherapeutischer Station einweisen lassen. Psychotherapeutischen Ambulanzen haben im Sinne der Notfallversorgung die Pflicht, Patienten zu untersuchen und ihnen in diesem Rahmen sofort ein erstes Gespräch anzubieten. In vielen Fällen werden die Erkrankten daraufhin stationär aufgenommen. Dies ist auch der Grund, warum viele Patienten diesen Weg scheuen, denn dieser bedeutet für sie, dass sie ihr gewohntes soziales Umfeld erstmal verlassen müssen.

In Nürnberg stellt die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum Nürnberg ein Behandlungsangebot für alle psychiatrischen Erkrankungen und Störungen bereit. Des Weiteren hat das Martha Maria Krankenhaus im Nürnberger Norden in seiner psychosomatischen Tagesklinik ein Therapieangebot in akuten Phasen psychischer Erkrankungen.

Eine weitere Möglichkeit für Menschen mit psychischen Problemen ist, sich Unterstützung bei einem Therapeuten ohne Kassenzulassung zu holen. Neben Kassenpsychotherapeuten finden sich in Nürnberg sowohl Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung als auch Heilpraktiker und Psychologen mit Heilerlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, die Psychotherapie anbieten.

Vorteile für Selbstzahler

Obwohl die Patienten in dem Fall für ihre Therapie erst einmal selbst aufkommen müssen, bietet diese zahlreiche Vorteile:
Sie können nicht nur aus einer größeren Zahl an Therapeuten mit erheblich kürzeren Wartezeiten den passenden Therapeuten aussuchen, sondern haben auch die freie Wahl des Psychotherapieverfahrens. Denn in Deutschland wird von den gesetzlichen Krankenkassen ausschließlich Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und die sogenannte tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bezahlt. Verfahren wie Systemische Therapie, Gestalttherapie oder Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, die in wissenschaftlichen Studien ebenfalls einen Wirksamkeitsnachweis erbracht haben und in Fachkreisen hohe Anerkennung genießen, werden bestenfalls von den privaten Krankenkassen übernommen.

Ein weiteres Plus für Selbstzahler ist, dass die Psychotherapie nicht erst von der Kasse genehmigt werden muss und deshalb auch die Berichte und Anträge wegfallen. Die Behandlung kann unmittelbar begonnen werden und muss nach den Probesitzungen nicht unterbrochen werden, bis eine Zustimmung von der Kasse vorliegt.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Tatsache, dass der Name des Patienten in keiner Versicherungsakte auftaucht. Wenn der Patient zum Beispiel später einmal in eine private Krankenversicherung wechseln oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, erspart er sich höhere Beiträge oder vermeidet die Nichtannahme durch die Versicherung.

Des Weiteren bemerken viele Psychotherapeuten, dass ihre selbst zahlenden Patienten häufig schnellere Fortschritte machen, da die Motivation und somit auch die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit durch den Einsatz eigener Finanzen groß ist.

Sollten Sie sich für eine Psychotherapie bei einem Heilpraktiker oder Psychologen ohne Kassenzulassung entschließen, dann ist es angeraten, genauer nach der Ausbildung und der Erfahrung des Therapeuten zu fragen. Aufgrund fehlender Ausbildungsregelungen unterscheiden sich diese zum Teil erheblich. Neben sehr gut qualifizierten Therapeuten mit mehrjähriger psychotherapeutischer Ausbildung in einem wissenschaftlich anerkannten Therapieverfahren bei einem vom entsprechenden Dachverband anerkannten Ausbildungsinstitut sind in Nürnberg auch eine große Zahl an Therapeuten mit mäßigen Qualifikationen oder zum Teil esoterisch anmutenden Methoden zu finden.

Letztendlich sollten Sie bei der Wahl Ihres Therapeuten jedoch immer auf das eigene „Bauchgefühl“ hören. Denn gerade für die Psychotherapie ist das Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Klient der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Therapie.