Psychotherapie – Antworten eines Therapeuten (Teil 2)

Hypnose in der Psychotherapie ist nicht vergleichbar mit einer Show-Hypnose. Der Heilpraktiker für Psychotherapie Michael Schramm aus Eckental bei Nürnberg erklärt, wie man sich unter Hypnose in einer Psychotherapiepraxis vorstellen kann.

Lesen Sie in diesem Artikel
Seite 1: Bei welchen Beschwerden Psychotherapie helfen kann
Seite 2: Hypnose in der Psychotherapie – Hypnosetherapie
Seite 3: Wie finde ich einen passenden Psychotherapeuten, Psychologen oder Heilpraktiker

Hypnose kennen viele Menschen hauptsächlich aus dem Fernsehen oder von Bühnenshows. Was ist Hypnose eigentlich und wie kann man sich das bei einer Psychotherapie vorstellen?

Das Wort Hypnose ruft bei vielen Menschen Ängste oder Unsicherheit hervor, andere knüpfen daran große Hoffnungen für die Heilung ihrer Beschwerden. Beides ist für mich nachvollziehbar und verständlich, denn in den Medien wird ein zum Teil unrealistisches Bild vermittelt.

Wenn mich als Hypnosetherapeut Klienten fragen: „Was ist eigentlich Hypnose“, dann antworte ich schlicht: „Gelingende Kommunikation!“. Denn Hypnose setzt vor allem ein kooperatives Zusammenspiel zwischen dem Hypnotiseur und seinem Gegenüber voraus und dazu ist erst einmal ein Vertrauensverhältnis nötig, das aufgebaut werden muss. Das heißt, man redet wie in jeder anderen Form der Psychotherapie erst einmal miteinander. Für mich als Therapeut ist es wichtig, ein Verständnis für die Beschwerden des Klienten zu entwickeln, aber auch ein Gespür für die vorhandenen Ressourcen. Anders als sich das die meisten Klienten vorher vorstellen, nimmt in einer Hypnosetherapie der Dialog eine längere Zeit in Anspruch als die „eigentliche“ Hypnose: Der Patient liegt oder sitzt mit geschlossenen Augen auf dem Sofa und der Psychotherapeut redet mit ruhiger Stimme zu ihm. Wobei beides, also Unterhaltung und Hypnose, also die Trance, auch fließend ineinander laufen können Aber das „passiert“ nicht nur in einer Hypnosetherapie, dass der Klient in einen leichten Trancezustand gerät, sondern kommt in wahrscheinlich jeder anderen Form der Psychotherapie bzw. des Gesprächs vor. Der bekannte Gestalttherapeut Hunter Beaumont weist in einem Aufsatz schlüssig nach, dass zum Beispiel in Gestalttherapiesitzungen Zeitabschnitte vorkommen, die ein oder mehrere Charakteristika von Trancezuständen aufweisen.

Sie sprechen von Trance. Was ist das eigentlich und wie unterscheiden sich Trance und Hypnose

Vereinfacht ausgedrückt ist eine Trance ein Bewusstseinszustand, der sich vom „normalen“ Wachbewusstsein insofern unterscheidet, dass man mental hoch konzentriert und fokussiert auf einen Vorgang ist und gleichzeitig tief entspannt. Der logische, reflektierende und bewertende Verstand tritt in den Hintergrund. Dabei können sogenannte Trance-Phänomene auftreten wie zum Beispiel verändertes Zeitempfinden, Körperempfindungen wie Kribbeln, Fließen oder Strömen von Wärme oder Kälte, unwillkürliche Muskelzuckungen, wie man das auch vom Einschlafen her kennt, verringertes oder gesteigertes Erinnerungsvermögen.
Dabei lassen sich Trance und „normaler“ Wachzustand streng genommen so einfach nicht trennen, denn das Bewusstsein ist fließend, es gibt eigentlich keine festen Zustände.

Der Begriff Hypnose wird von Hypnosetherapeuten manchmal synonym zu Trance gebraucht. Man kann Hypnose aber auch definieren als eine Methode zum Erreichen einer Trance. Dafür wird vom Hypnotiseur eine bestimmte Art der Sprache genutzt, das heißt Wortwahl und Satzbau genauso wie eine bestimmte Art des Sprechens, also Tempo, Lautstärke und Betonung der Wörter. Das hat nichts mit übersinnlichen Fähigkeiten oder Magie zu tun, sondern man kann das lernen.

Man kann Trance auch auf andere Weise erreichen: Durch körperliche Betätigung wie Tanzen, Trommeln, Singen und Musizieren, Yoga, Sport oder Drogen. Meiner Auffassung nach waren und sind Medizinmänner, Schamanen und Priester jeder Kultur und Zeitepoche wahre Meister der Trance – vielleicht ohne dass sie das, was sie tun, explizit so benennen.

Und wozu Hypnose und Trance in einer Psychotherapie?

Hypnosetherapie ist Psychotherapie, in der Hypnose und Trance genutzt werden, um Veränderungen im Denken, Fühlen und Handeln zu erreichen. Hypnose ist dabei insofern hilfreich, weil einem manchmal der logische Verstand dabei im Weg steht. Sinnvolle Lösungen sind manchmal einfach nicht logisch und deshalb auch mit dem logischen Verstand nicht fassbar. In Trance erreichen wir Ebenen, aus denen wir kreativ schöpfen können wie Träumer oder ein Künstler bei seiner Arbeit. Veränderungen sind dann leicher möglich, wenn der kritische Verstand einmal ein wenig beiseite tritt.

Wenn der kritische Verstand beiseite tritt: Bin ich dann dem Hypnotiseur nicht willenlos ausgeliefert?

Nein, denn das, was ich kritischer oder logischer Verstand genannt habe, ist nicht vollkommen ausgeschaltet. Hypnose ist nur durch ein kooperatives Zusammenspiel zwischen Klient und Hypnotiseur möglich. Will Sie ein Hypnotiseur zu etwas bringen, was gegen Ihre ureigenen Interessen ist, dann geht die Kooperative Verbindung verloren, die im Fachjargon Rapport genannt wird.

Wie lässt sich dann erklären, dass Menschen auf der Bühne Dinge mit sich machen lassen, von denen sie hinterher sagen, dass sie diese bei klarem Verstand nie tun würden, also z.B. wie ein Huhn zu gackern.

Wollen sie das wirklich nicht? Wenn jemand bereit ist, zu einem Show-Hypnotiseur auf die Bühne zu gehen, dann ist er auch ein Stück weit willens mitzuspielen. Der Hypnotiseur macht mit den Leuten auf der Bühne Tests und schickt diejenigen wieder zurück, die nicht so reagieren, wie er sich das vorstellt. Der kleine Teil der Leute, die übrig bleiben, stehen im Scheinwerferlicht und vor Publikum und sind bereit, der Erwartungshaltung, die in dieser Atmosphäre herrscht, nachzukommen, eine gute Show abzuliefern und zu machen, was der Show-Hypnotiseur ihnen vorschlägt. Dazu braucht es seitens des Hypnotiseurs kein großes hypnotisches Können, sondern in erster Linie ein wenig Menschenkenntnis und eine gewisse Aura der Macht, mit der er sich meist umgibt.

In einer psychotherapeutischen Praxis herrschen ganz andere Bedingungen. Man braucht als Hypnosetherapeut viel mehr Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, sich flexibel auf das Gegenüber einzulassen, als man das als Bühnenhypnotiseur benötigt – und meist auch sanftere und indirektere Hypnose-Techniken, die dem Gegenüber mehr Spielraum lassen, eigene Wege zu finden.

Inhaltsverzeichnis:
Seite 1: Bei welchen Beschwerden Psychotherapie helfen kann
Seite 2: Hypnose in der Psychotherapie – Hypnosetherapie
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